01. Mai

2016

Buchtipps

Zuletzt aktualisiert am 5. Februar 2019

Malaysia Buchtipps © B&N Tourismus

Lese- und Buchtipps rund um Malaysia bzw. die malaiische Halbinsel, Borneo und Südostasien. Städtenamen wie Bangkok, Hongkong, Kuala Lumpur, Shanghai, Singapur, Tokyo stehen heute als Synonyme für einen Erdteil im Aufbruch.

Tiziano Terzani: In Asien

Der Journalist und Schriftsteller Tiziano Terzani hat 30 Jahre lang für den «Spiegel» aus Asien berichtet. Sein nun auf Deutsch vorliegendes Buch «In Asien» ist die Essenz seiner Erfahrungen, das «Testament» eines aufmerksamen Beobachters, der in die asiatischen Kulturen eingetaucht ist. Terzani hat mit seiner Familie in Singapur, Hongkong, Peking, Tokio, Bangkok und New Delhi gelebt und er hat die jeweiligen Landessprachen erlernt. Daher kann Terzani den Menschen Fragen stellen, die anderen aufgrund ihres mangelnden Kontakts zur Bevölkerung erst gar nicht einfallen. Wie kaum einem westlichen Betrachter ist es ihm damit gelungen, die Länder und ihre Menschen von innen heraus zu verstehen und zur «Stimme des Ostens» zu werden. Der «Spiegel»-Journalist entwickelte sich zunehmend zum sensiblen Chronisten der Ereignisse, die das Antlitz Asiens in den letzten Jahrzehnten geprägt und rasant verändert haben. Immer vor Ort berichtet er in seiner eigenen, hintergründigen Art, u.a. vom militärischen Engagement der USA in Vietnam, dem Fall Pnom Penhs, von der Niederschlagung des Aufstandes am Platz des himmlischen Friedens, von der Übergabe Hongkongs an China oder dem Phänomen der indischen «Räuberhauptfrau» Phoolan Devi. Persönliche Porträts von Mutter Teresa, dem Dalai Lama, vom japanischen Kaiser Hirohito und dem chinesischen Machtpolitiker Deng Xiao Ping verdeutlichen das weite Spektrum asiatischer Lebenserfahrung. Schöne und grausame Eindrücke entfalten sich: die Friedfertigkeit thailändischer Buddhisten neben der Schreckensherrschaft der Roten Khmer und dem gnadenlosen Kodex japanischer Geheimgesellschaften wie den Yakuza; intaktes und im besten Sinne einfaches Landleben in China neben der Trostlosigkeit Sachalins, um dessen territoriale Zugehörigkeit sich Japan und Russland bis heute streiten.

Tiziano Terzani: In Asien.

Beispielhaft für den Ansturm westlicher Ökonomie und des totalen Marktes schildert er seine Eindrücke vom Fujiyama. Seit Menschengedenken beeindruckte die mächtige Gestalt dieses heiligen Berges zahllose japanische Generationen. Auf dem Gipfel des Fuji zu beten bedeutete für Anhänger verschiedenster Glaubensrichtungen eine zentrale religiöse Erfahrung. Sie schlug sich u.a. in zahllosen Haikus nieder, die Japans große Dichter dem Berg gewidmet haben. Doch gerade diese Erfahrung lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, weil der Fuji schon morgens von den Scheinwerfern der Händler erleuchtet wird, die dort ihren religiösen Kitsch anbieten. Von den Fabriken, die sich in seinem Schatten niedergelassen haben, ganz abgesehen.

Seiner journalistischen Laufbahn entsprechend, reiht er zahlreiche Momente aneinander und macht uns dadurch zu Zeugen der historischen Entwicklung und des asiatischen Zeitgeistes. Durch Terzanis ebenso analytische wie sensible Betrachtung verstehen wir die Hintergründe der dramatischen Auseinandersetzungen in Afghanistan, Kaschmir und Tschetschenien. Nicht zuletzt weil sich im Zeitalter der Globalisierung lokale Krisen schnell internationalisieren können, ist das Wissen um die Dynamik in diesen Gebieten bedeutsam. Für eine zusammenwachsende Welt wird gegenseitiges Verständnis der Kulturen, Mentalitäten und Religionen immer wichtiger. Wer könnte uns hierzu besser verhelfen als Tiziano Terzani, der im Osten wie im Westen gleichermaßen zu Hause ist.

Tiziano Terzani, 1938 in Florenz geboren, kennt Asien wie kaum ein anderer westlicher Journalist. Von 1972 bis 1997 war er dort Korrespondent des Spiegel, anfangs in Singapur dann in Hongkong, Peking, Tokio und Bangkok. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Japan und Thailand ging Terzani 1994 nach Indien. Er starb im Juli 2004 in Orsigna bei Florenz.

Tiziano Terzani: In Asien. 8°. 480 S. Geb. Riemann Verlag, München 2003. Buch bei Amazon.


Tiziano Terzani Fliegen ohne Flügel

Den größten Teil seines Lebens verbrachte Tiziano Terzani bedingt durch seinen Beruf als Reporter in Kriegs- und anderen Katastrophengebieten im Flugzeug.

Tiziano Terzani Fliegen ohne Flügel.

Als er beschloss, sich der Prophezeiung des alten Chinesen zu beugen und im Jahre 1993 nicht zu fliegen, stellte sich ihm natürlich die Frage, wie er seine beruflichen Aufgaben in dem flugfreien Jahr bewältigen solle. Er macht sich auf, seine Reisen per Zug und Schiff zurückzulegen – spektakulär wird u.a. die 20.000 Kilometer lange Asien Zugfahrt durch Kambodscha, Vietnam, China, die Mongolei und Sibirien. Terzani erlebt auf seiner Reise die ersten demokratischen Wahlen in Kambodscha und ist dabei, als die erste Verbindungsstrecke – zu Land – zwischen Thailand und China eröffnet wird.

Noch einen weiteren Vorsatz hat der Autor für dieses Jahr gefasst. Er wird in jeder Gegend, in die er kommt, den bekanntesten Schamanen oder weisen Menschen nach seiner Zukunft befragen. Die Ratschläge, die er dabei erhält, sind so unterschiedlich wie die Kulturen, aus denen der jeweilige Wahrsager stammt. So entsteht ein faszinierender Einblick in die spirituelle Welt von Asien, an dessen Ende sich die Frage nach dem Sinn des technologisch-materialistischen Fortschritts völlig neu stellt.

Terzani lebte bereits fünf Jahre in China, als er 1984 plötzlich verhaftet, antirevolutionärer Aktivitäten beschuldigt, einen Monat umerzogen und schließlich ausgewiesen wurde. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Japan und Thailand ging Terzani 1994 nach Indien, von wo aus er bis 1997 für den Spiegel berichtete. Er starb im Juli 2004 in Orsigna bei Florenz.

Tiziano Terzani: Fliegen ohne Flügel. Eine Reise zu Asiens Mysterien. 8°. 480 S. 1 Abb, 1 Karte. Pp. Sierra by Frederking & Thaler Verlag. München. Buch bei Amazon.


Redmond O’Hanlon: Ins Innere von Borneo

Das Überleben im Dschungel von Borneo, so mach uns dieses Buch schnell klar, ist nicht nur eine Frage der Kondition und der richtigen Ausrüstung. Vor allem braucht man einen Humor, der sich selbst in den haarsträubendsten Situationen bewährt.

Als sich der Oxford-Gelehrte Redmond O’Hanlon und der Dichter James Fenton nach gründlicher, aber mehr theoretischer Vorbereitung, auf die Reise Richtung Sarawak in Malaysia aufmachen, ahnen sie noch nicht was sie erwartet. Im ständigen Kampf mit einem aus ihrer Sicht mörderischen Tropenklima, mit Infektionen und Parasiten, stoßen Sie per Einbaum und zu Fuß in unerforschte Gebirgsregionen vor, um dort das legendäre Borneo-Nashorn zu finden.

Redmond O’Hanlon: Ins Innere von Borneo.

Redmond O’Hanlon entführt seine Leser in eine exotische Welt, für ihn so fremdartig wie ein anderer Stern wären da nicht die Spuren der Zivilisation, die von einer der letzten unberührten Regionen dieser Erde Besitz ergreift. Die Kopfjäger im Dschungel von Borneo wollen keine Glasperlen mehr, sondern Batterien für ihren Kassettenrekorder. Doch der Zusammenprall der Zivilisation mit dem höllischen Naturparadies ist nicht nur komisch. Um Haaresbreite entkommen die leichtsinnigen Reisenden der Katastrophe, und mit makaberem Witz versuchen Sie ihr Entsetzen zu bändigen.

Redmond O’Hanlon, geboren 1947 in Dorset, Professor der englischen Literatur in Oxford, hat seine Welterfolge mit Reisebüchern wie diesem errungen. Redmonds Dschungelbuch schildert seine Reise durch den Urwald des Amazonas und nach sechsjähriger Vorbereitung erschien mit Kongofieber sein Bericht über eine Expedition durch den Kongo.

Redmond O’Hanlon: Ins Innere von Borneo. 8°. 288 S. Pp. DTV München 1993. Buch bei Amazon.


V. S. Naipaul: Jenseits des Glaubens

Was hat der Islam in der arabischen Welt zum Beispiel mit der Geschichte von Indonesien, Iran, Pakistan und Malaysia gemeinsam? Wie sehen die konvergierten Völker ihre Vergangenheit? Und wie ihre Zukunft?

V. S. Naipaul: Jenseits des Glaubens.

Schon einmal hat V.S. Naipaul die vier Länder Asien’s – Indonesien, Iran, Pakistan und Malaysia – besucht und seine Erfahrungen in dem Reisebericht «Eine islamische Reise» festgehalten. Sechzehn Jahre später bereist er sie noch einmal, um mit geschäftem Blick dort anzuknüfen, wo er damals aufgehört hat.

Mit «Jenseits des Glaubens» beschreibt Naipaul all die Facetten des islamischen Glaubens, sein revolutionäres und fundamentalistisches Potential, das die Gesellschaften von Bekehrten zwangsläufig bergen. Kritisch und menschlich zugleich präsentiert sich Naipaul hier weniger als Reiseliterat denn als ‘Menschenentdecker’ und Geschichtenerzähler – und als ein unbequemer Beobachter, der Faszination und Widersprüche einer in den Brennpunkt internationaler Politik und Medienbeobachtung geratenen Region aufdeckt.

Vidiadhar Surajprasad Naipaul wurde am 17. August 1932 in Trinidad geborgen und lebt seit 1950 in Großbritannien. An der renommierten Oxford University studierte er englische Literatur. Seine Reisen führten ihn in die indische Heimat seiner Eltern, nach Afrika, Südamerika, auf die Antillen und in den Orient. Der Romacier, Reiseschriftsteller und Journalist gilt weltweit als bedeutenster Vertreter der englischsprachigen Literatur. Seine Romane sowie das Sachbuch «Eine islamische Reise» waren Welterfolge. V.S. Naipaul hat eine Vielzahl von Literatur-Preisen erhalten, u.a. den Bookerpreis 1971 und T.S. Eliot Award for Creative Writing 1986. Er ist Ehrendoktor des St. Andrew’s College und der Columbia University sowie der Universitäten in Cambridge, London und Oxford. Im Jahre 1990 wurde er von Königin Elizabeth geadelt. 2001 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

V. S. Naipaul: Jenseits des Glaubens. Eine Reise in den anderen Islam. Aus dem Englischen von Monika Noll und Ulrich Enderwitz. 8°. 607 S. Geb. Claasen Verlag, München 2002. Buch bei Amazon.


Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv

Die siebzehnjährige Australierin Jo McQuinnie möchte unbedingt bei einem Fengshui-Meister arbeiten. C.F. Wong, der ein kleines Fengshui-Büro in Singapur betreibt, nimmt sie widerwillig als Praktikantin, denn schließlich ist ihr Vater ein guter Kunde, dem man nichts abschlagen darf.

Aber dass Jo nicht mit ein wenig Ablage zufrieden zu stellen ist und dass die beiden sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht verstehen können, damit hat C.F. Wong nicht gerechnet. Ebenso überraschend stellt sich heraus, dass bei seinen Aufträgen jeweils mehr hinter dem schlechten Fengshui steckt … Löwen in Singapur Malaysia, chinesische Triaden mit ihren Immobiliengeschäften in Hongkong, Spuk in einem Kloster in Vietnam – die Aufträge führen das skurrile Paar von Singapur durch ganz Südostasien. Trotz aller Missverständnisse werden die vorlaute Jo und der mürrische Wong ein unschlagbares Team.

So auch in «Der Fengshui-Detektiv und der Computertiger»: Was für ein Glückstag! Der schrullig merkantile Fengshui-Meister C. F. Wong könnte vor Freude tanzen, wenn er könnte: Als Geschenk an die Gesellschafter eines Handels-Multis soll er Fengshui-Analysen erstellen; alles bezahlt von East Trade Industries Limited, fette Spesen inklusive. Und das Beste: Die Aufträge sind so simpel, dass selbst seine quirlig-quasslige Assistentin Joyce McQuinnie sie erledigen kann, wodurch er sie für geraume Zeit los wäre.

Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv.

Wong wittert leicht verdientes Geld. Doch weit gefehlt! Denn schnell wird die Routine zum Rätsel, und der Geomant und seine Assistentin müssen in einer turbulenten Tour de force um den halben Globus ihr ganzes Können einsetzen, um einer Reihe höchst obskurer Geschehnisse auf den Grund zu gehen. Zur Belohnung entdeckt das ungleiche Paar dafür den Ort mit dem definitiv besten Fengshui auf Erden. Nury Vittachi, laut BBC „witzigster Kommentator“ von Hongkong, wurde 1958 in Sri Lanka geboren und wuchs unter anderem in Großbritannien auf. Seit 1986 lebt er in Hongkong, wo er als Kolumnist, Buchautor und Herausgeber einer Literaturzeitschrift Kultstatus hat. Besonders am Herzen liegt ihm jedoch, Autorinnen und Autoren aus Asien eine Plattform zu bieten – zum Beispiel mit seinem Internet-Magazin Dim Sum (www.dimsum.com.hk).

Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv. 8°. 254 S. Pp. Unionsverlag. Zürich 2003. Buch bei Amazon.

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