Am Beispiel von 60 Bronze- und Steinskulpturen aus Indien, Burma, Thailand und Kambodscha sowie aus Nepal, Tibet, China und Korea präsentiert die Ausstellung die Gottesbilder dieser drei Erlösungsreligionen.
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© Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde
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Buddha-Kopf, Stein, H. 28 cm. Thailand, Dvaravati, 8. Jh.
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Der indische Subkontinent hat mit dem Buddhismus, dem Jainismus und dem Hinduismus drei wichtige Religionen hervorgebracht: Der Buddhismus entwickelte sich zu einer Weltreligion, spielt aber in Indien seit dem 12. Jh. praktisch keine Rolle mehr. Der Jainismus wurde seit seiner Gründung im 6. Jh. v. Chr. ununterbrochen in Indien ausgeübt, verbreitete sich jedoch nicht in andere Länder. Der Hinduismus ist heute in Indien, Nepal und auf Bali die vorherrschende Religion. Weltweit hat er über 800 Millionen Anhänger.
Buddhismus und Jainismus sind, wie das Christentum und der Islam, Stifterreligionen, da sie auf eine historische Persönlichkeit zurückgehen, und zwar auf Buddha beziehungsweise Mahavira. Im Unterschied dazu hat der Hinduismus keinen Stifter und besitzt keine allgemein verbindlichen Dogmen. Er wird als das «ewige Gesetz» angesehen, das seit jeher bestand und immer wieder neu von heiligen Männern und göttlichen «Herabkünften» verkündet und gefestigt wird.
Alle drei Religionen besaßen bis vor etwa zweitausend Jahren keine Gottesbilder in menschlicher Gestalt. Erst durch das Entstehen des Theismus und der «Bhakti»-Frömmigkeit, die den Hinduismus und den Buddhismus grundlegend veränderten, blühte in Indien der Bilderkult auf. Diese neue Frömmigkeit übte die liebende Hingabe an einen persönlichen, auf die Welt einwirkenden Gott, der im Kultbild gegenwärtig ist, und erstrebte schließlich das Einswerden mit ihm. Dahinter stand die ebenfalls neue Idee der Gnade des persönlichen Gottes, durch die der Mensch aus dem unendlichen Kreislauf der Wiedergeburten ausbrechen kann, um zur Erlösung zu gelangen. Die bisherigen Heilswege der Tat (karma) und der Erkenntnis (bodhi) standen nur einer kleinen Elite offen, der großen Menge aber waren sie verschlossen.
Am Beispiel von 60 Bronze- und Steinskulpturen aus Indien, Burma,
Thailand und
Kambodscha sowie aus Nepal, Tibet,
China und Korea präsentiert die Ausstellung die Gottesbilder dieser drei Erlösungsreligionen. Zusammengetragen wurden sie von Viktor und Marianne Langen, deren Sammlungen japanischer Kunst und Klassischer Moderne 2004 auf der Raketenstation Hombroich durch den japanischen Stararchitekten Tadao Ando ein spektakuläres Kunst- und Ausstellungshaus erhielten.
Die Skulpturen vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt der Erscheinung des Göttlichen in menschlich-figuraler Gestalt. Diese Verschiedenartigkeit und Fülle wird als ein ständiger Prozess der "Suche nach dem Gottesbild" in den indisch geprägten Kulturen Asiens erfahrbar. Die Ausstellung macht deutlich, dass die Gottesbilder aller drei Religionen nicht durch eine einmalige Offenbarung, sondern durch eine dynamische Glaubensentwicklung entstanden sind und bis heute weiter entstehen. Die vier Abteilungen zeigen die jenseitigen, meditativ-passiven Götter, d.h. die Buddhas (Erwachten) und Tirthankaras (Weg- bzw. Furtbereiter), und die diesseitigen, aktiven Götter, die für die Gläubigen wirken. Letztere umfassen die Bodhisattvas (Erleuchtungswesen) und die hinduistischen Devas (Götter). Vorbilder für die visuelle Vergegenwärtigung der
Götter im Kultbild waren zwei völlig entgegengesetzte Idealtypen: der Weltenherrscher und der Yogi. Entscheidend für die Gestalt war nicht die anatomische Wirklichkeit, sondern das Wesen des Gottes, das sich besonders in Körperhaltung wie dem Meditationssitz und in den Handhaltungen, aber auch in der Vielzahl von Armen und Köpfen ausdrückt.
Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde, Ubierring 45, Köln vom 13. Februar 2005 bis 02. Oktober 2005 (
www.museenkoeln.de ).
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